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Chronik der Familie Calmano:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste Urkunde über die Familie Calmano auf deutschem Boden befindet sich im Kirchenbuch der Dompfarrei der Stadt Limburg an der Lahn. Diese Eintragung über die Eheschließungen des Jahres 1750 lautet wie folgt:
"Am 12. Oktober haben - nach vorheriger Dispens von der Problemation und nach Entlassung des Ehemannes aus Ehrenbreitstein-Tal - die Ehe geschlossen Felix Paul Calmano, Italiener und die Jungfrau Maria Catharina Castelli. Als Zeugen waren anwesend die Herren Senatoren Eugen Castelli und Johann Simon Burckhart - sowie viele andere."
     Nach dieser Trau-Urkunde ist, außer der Angabe, das er Italiener ist und von Ehrenbreitstein-Tal kam, nichts über seinen Geburtsort und seinen Beruf vermerkt. In den Sterberegistern desselben Kirchenbuches befindet sich im Jahre 1788 am 21. Januar die Sterbe-Urkunde von Felix Paul, in welcher er als "Wohledler Herr Schöffe und Limburger Ratsherr, gestorben im 68. Lebensjahr" bezeichnet wird.
Er war also im Jahr 1720 geboren. Aus der Limburger Stadtchronik wissen wir, daß Paul Felix mit anderen Italienern, deren Namen als Taufpaten im Kirchenbuch erscheinen, zur Kaufmannszunft gehörte und dort sein Geschäft betrieb. Er wurde in der Stadtchronik als Schöffe und Ratsherr genannt und als solcher in den Jahren 1763, 1767, 1771, 1779, 1782 und 1784 zum Bürgermeister gewählt.
     Der Limburger Stadtrat bestand zu dieser Zeit aus 24 Mitgliedern - 12 Schöffen, die sich durch Beiwahl ergänzten und 12 weiteren Vertretern aus der Gemeinde. Als Ratsherren wurden nur solche gewählt, die durch gute Eigenschaften, Ansehen und Vermögen sich von den übrigen Bürgern hervorhoben. Der Kreis dieser Familien war eng umgrenzt. Die Wahl der Ratsherren erfolgte auf Lebenszeit. Zur Wahl der Bürgermeister heißt es in der Stadtchronik:
"Aus den 12 Schöffen sollen 2 Bürgermeister, ein Alter und ein Junger, gehoben werden, die tauglich sind, jedes Jahr am St. Nikolausabend..."
Nach diesen Anweisungen muß Paul Felix zu den geachteten und entsprechend begüterten Familien gehört haben, die zur Wahl als Bürgermeister "tauglich" waren. Wir können annehmen, daß er zu den lombardischen Kaufleuten gehörte, die im
17. und 18. Jahrhundert den europäischen Handel beherrschten und die sich in den deutschen Handels- und Residenzstädten niederließen.
     Diese Annahme wird noch dadurch erhärtet, daß als Taufpaten der Kinder des Ehepaares Calmano die Namen italienischer Kaufleute wie Trombetta aus Limburg - Carove, Kaufmann aus Frankfurt - Lavizari, Kaufmann aus Hadamar - Cornelia D'Angeli und Carolus Carli erschienen.
     Pauls Gattin, Maria Elisabeth, war die Tochter des Ratsherrn Eugen Casteli und dessen Ehefrau Anna Sara, geb. Triack. Sie war am 17. Januar 1727 in Limburg geboren. Die in der Trauurkunde vom 12. Oktober 1750 genannte Maria Catharina ist eine Schwester der Elisabeth und hatte schon am 11. Oktober 1749 einen Georgius Terzwey aus Balduinstein geheiratet, was auf Seite 44 des Kirchenbuches beurkundet wird. Catharina starb in Limburg im August 1795 mit 78 Jahren. Es liegt also hier eine Namensverwechselung durch den eintragenden Pfarrer vor, weil in allen späteren Taufurkunden der Kinder des Ehepaares Calmano die Mutter mit Maria Elisabeth bezeichnet wird.
     Der Geburtsort von Eugen Castelli, wie er in seiner Taufurkunde vom 26. September 1714 im Kirchenbuch der Jahre 1675-1725 vermerkt ist, Bissone am Luganer See (Lucanetis). Aus dem Buch der "Oranienstein - Geschichte eines Barockschlosses" von Heck, Museums- und Geschichtsverein Diez e.V. wissen wir, daß die Maler- und Stuckarbeiten in Oranienstein von den Gebrüdern Eugen und Cyprian Castelli und anderen italienischen Handwerkern ausgeführt wurden. Der Chef dieser Firma, die auch in anderen Barockschlössern wie Hadamar, Neuwied und Philippsruhe tätig war, hieß Eugen Castelli, der 1677 im Val d'Intelvi an den oberitalienischen Seen geboren wurde. Nach seiner Verheiratung im Jahre 1714 wohnte er in Limburg. In der Taufurkunde seiner Tochter Catharina vom Jahre 1717, in welcher sein Bruder Cyprian als Taufpate erscheint, wird er als Herr bezeichnet. In der Taufurkunde seiner Tochter Elisabeth vom 12. Oktober 1750 war er schon Limburger Ratsherr und am 7. Dezember 1761 starb er mit 86 Jahren in Limburg.
     Seine Frau Anna Sara, geb. Triack, stammte aus Limburg. Ihre Familie läßt sich im gleichen Kirchenbuch noch weiter zurück verfolgen. Dort ist unter dem 17. Oktober 1690 die Trauurkunde von Josef Triack und dessen Frau Maria Katharina, geb. Wentzel. Deren Tochter Anna Sara, die Frau des Eugen Castelli, wurde am 30. Juli 1691 getauft. Sie heiratete also mit 23 Jahren ihren 39 Jahre alten Gatten Eugen.
Das Ehepaar Paul Felix Calmano und Maria Elisabeth, geb. Castelli, hatte 7 Kinder:

1) Eugen geb. 8. November 1751
2) Franz Karl geb. 16. Dezember 1753
3) Maria Margaretha geb. 29. Februar 1756
    gest. 17. Mai 1756
4) Johannes Adam geb. 9. Dezember 1757
    gest. 23. Mai 1762
5) Maria Susanna geb. 7. August 1759
6) Ludwig Leopold geb. 11. August 1760
gest.. 10. Mai 1816
7) Cornelia geb. 26. Juni 1762
Aus zweiter Ehe des Paul Felix mit Maria, geb. Kirchner stammte:
8) Maria Theresia Josepha geb. 20. August 1768
die am 27. Mai 1788 den Kurtrierschen Amtsphysikus Dr. Bonifacius Coels heiratete. Über den Todestag von Maria Elisabeth geb. Castelli und den Tag der Wiederverheiratung von Paul Felix ist leider keine Eintragung im Kirchenbuch zu finden.
     Der am 16. Dezember 1753 geborene zweite Sohn Franz Karl ist unser Vorfahre der zweiten Generation. Er war Kaufmann und Weinhändler und heiratete am 30. August 1791 in Limburg Maria Anna Görz, die am 8. Februar 1770 in Erbach bei Camberg geborene Tochter des Florian Görz, Verwalter der Kurtrierschen Domäne Erbach und dessen Ehefrau Catharina, geb. Maier.
Franz Karl ist nach einer Familienüberlieferung von französischen Soldaten der Revolutionstruppen, die im September 1795 in Limburg waren, ermordet worden. Da im Kirchenbuch nichts über seinen Tod vermerkt ist, muß er wohl außerhalb Limburgs ums Leben gekommen sein. Er hatte zwei Söhne:
1) Franz Ludwig geb. 29. August 1792
2) Johann Jakob geb. 7. August 1795
    gest. 13. August 1795
der aber schon nach 6 Tagen starb.
Franz Ludwig ist unser Vorfahre der dritten Generation. Er erlernte das Küferhand-werk und ging dann zunftgemäß auf die Wanderschaft. Dabei kam er auch nach Wiesbaden, wo er vom 1. September 1810 bis 5. Juni 1811 arbeitete, worüber er eine Urkunde vom herzoglich-nassauischen Oberzunftamt erhielt. Darin wird er wie folgt beschrieben: "19 Jahre alt, ohngefehr fünf Schuh vier Zoll groß, schlankger Statur, blühendes Angesicht, bedeckte Stirne, bräunlichte Haare, braune Augen, proportioniert Nase, proportioniert Mund,..."
     Seine Wanderschaft endete in Oberursel, wo er am 19. April 1812 die am
13. Juli 1784 in Oberursel geborene Margarete Kops, Tochter des Kaufmanns und Gastwirtes Anton Kops und dessen Ehefrau Margarete, geb. Wolf aus Oberursel, heiratete. Sein Schwiegervater war der Besitzer des Gasthauses "Zum weißen Roß" in der Strackgasse Nr. 20. Er betrieb neben der Gastwirt-schaft noch einen Handel mit Haaren, den er von seinem Vater, Willem Kops, übernommen hatte. Dieser stammte aus Luykagestel in Brabant und war als reisender Händler, der Kupfer und Haare verkaufte, nach Oberursel gekommen, wo er in die Gastwirtschaft "Zum weißen Roß" einheiratete.
     Das Ehepaar Ludwig Franz und Margarete, geb. Klops, hatte drei Söhne. Davon ist der älteste Sohn , Ludwig Franz Anton geboren am 16. Oktober 1812, unser Vorfahre der vierten Generation. Der zweite Sohn Johannes war am
17. Oktober 1814 geboren. Er erlernte das Schreinerhandwerk und ist der Stammvater der anderen Sippe Calmano in Oberursel. Er starb dort im Jahre 1902. Der dritte Sohn Heinrich Josef war am 1. August 1817 geboren und starb schon ein Jahr später am 28. November 1818. Eine Tochter, Christine Josefa, geb. am 25. Juli 1810, brachte Margarete mit in die Ehe. Der Vater der Christine ist nicht bekannt. Sie heiratete später den Obermeister der Frankfurter Spenglerzunft Josef Käsbacher, ein gebürtiger Tiroler. Mit 94 Jahren starb sie im Jahre 1904 in Frankfurt-Eckenheim.
     Ludwig Franz, unser Vorfahre der dritten Generation, starb schon mit 24 1/2 Jahren am 10. Februar 1817 an der "Russenkrankheit" wie mündlich überliefert wurde. Es war vermutlich Typhus oder Fleckfieber, welches er sich zugezogen hatte, als er für durchziehende russische und preussiche Truppen Vorspann-dienste mit seinen Pferden leisten mußte. Sein Witwe stand nun mit ihren Kindern allein und heiratete auch nicht mehr. Es wurde erzählt, daß ihre Verwandtschaft mehrere Prozesse um die Erbschaft führte, bei denen das Gasthaus " Zum weißen Roß" verloren ging. Ihr Vater, Anton Klops, kaufte daraufhin im Herbst 1819 das Haus Vorstadt Nr. 6 von einem Franz Ruppel. Dort wohnte sie mit ihren Kindern bis zu ihrem Tod am 22. September 1857.
     Ihr ältester Sohn, Ludwig Franz Anton, unser Vorfahre der vierten Generation, erlernte das Schuhmacherhandwerk und machte sich, nach einer zunftgemäßen Wanderschaft, die ihn hauptsächlich rheinabwärts führte, im Haus Vorstadt 6 selbständig. Er unterstützte seine Mutter und übernahm 1836 das Haus.
Am 26. November 1837 heiratete er Margarete Werner, die am 19. Februar 1814 geborene Tochter des Landesmannes Adam Werner und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Widekind. Zu den Grundstücken, die seine Frau mit in die Ehe brachte, kaufte er nach und nach noch Land dazu, so daß er neben seinem Handwerk noch eine kleine Landwirtschaft betreieben konnte. Er war ein tüchtiger Geschäftsmann, der sich an der Gründung einer Sparkasse beteiligte und später noch nebenbei einen Branntwein-Ausschank betrieb. In der Gewerbesteuerliste wurde er als Schuh-macher ohne Gehilfen geführt mit einem Steuerkapital von 200 Gulden. Ab 1864 betrug dieses 400 Gulden und dazu noch 200 Gulden unter der Angabe: Spezereikrämer. Im Jahre 1860 baute er sein Haus um, richtete eine Laden ein und setzte den ersten Stock auf das einstöckige Haus. In diesem Haus lebte er, später im Haushalt seines Sohnes Nikolaus, bis zu seinem Tod am 15. März 1900. Er hinterließ zwei Söhne und zwei Töchter. Davon ist der älteste Sohn Nikolaus, geboren am 27. August 1849, unser Vorfahre der fünften Generation.
     Der zweite Sohn Ludwig Franz Anton, geboren am 10. Dezember 1852, gründete mit einem Kompagnon in Frankfurt/Main eine Großhandlund für Sanitär- und Installationsartikel. Aus seinen beiden Ehen entstammen 6 Kinder. Er starb in Frankfurt im Jahre 1935. Sein im Jahre 1872 geborener Sohn Nikolaus gründete 1898 in Wiesbaden die Sanitär- und Heizungsgroßhandlung Nikolaus Calmano in der Dotzheimerstraße. Er starb dort im Jahre 1949. Sein am 16. März 1897 ge-borener Sohn Johannes wurde im Dezember 1922 zum Priester geweiht und war 32 Jahre lang bis 1968 Pfarrer in Niederzeuzheim. Er strab am 6. Juli 1976 in Hadamar. Die älteste Tochetr Ludwigs, unsere Vorfahren der vierten Generation, war am 14. Oktober 1838 geboren. Sie heiratete den Landwirt Eberhart Ratgen aus Oberursel und starb dort am 18. Februar 1904. Die zwite Tochter Josefa war am 12. Oktober 1844 geboren. Sie blieb ledig und lebte im Haushalt ihres Vatres und später ihres Bruders Nikolaus bis zu ihrem Tod am 5. Februar 1911.
     Nikolaus, unser Vorfahre der fünften Generation, wollte in seiner Jugend gerne Sattler werden, lernte aber dann, auf Drängen seines Vaters doch Schuhmacher, damit er später das väterliche Geschäft weiterführen konnte. Als Oberursel mit dem ganzen Land Nassau im Jahre 1866 zu Preußen kam, mußte er zum preußischen Militär und nahm am Krieg 1870/71 teil, wobei er den Einzug in Paris mitmachte. Ein Brief, den er 1871 bei der Belagerung von Paris nach Hause schrieb, ist in seiner schönen Handschrift noch erhalten. Am 30. Juli 1876 heiratete er die Tochter eines Bommersheimer Bauern, Wilhelmine Aumüller, geb. am 23. Februar 1854. Die Eltern von Wilhelmine waren Johann Aumüller und sein Ehefrau Ursula, geborene Ruppel aus Kalbach am Taunus. Als Wilhelmine vier Jahre alt war, starb ihre Mutter. Ihr Vater heiratete nicht mehr und so mußte sie als einzige Tochter schon als Schulmädchen den Haushalt eines Bauernhofes führen. Da ihr Elternhaus gegenüber der Schule stand, konnte sie in den Pausen schnell nach Hause laufen, das Essen richten und nach dem Vieh sehen. Mit 12 Jahren verließ sie dann die Schule. Als sie heiratete, bekam sie als Mitgift einige Grundstücke, so daß ihr Mann Nikolaus die väterliche Landwirtschaft erweitern konnte und dadurch in die Lage versetzt wurde, seinen ungeliebten Schusterberuf aufzugeben.
     Als im Jahre 1891 die Stadt Oberursel einen Stadtrechner suchte, bewarb er sich um die Stelle und wurde dafür eingestellt. Diesen Posten bekleidete er, nachdem er später als Beamter übernommen wurde, über 25 Jahre bis zu seiner späteren Pensionierung im Jahre 1916. Sein neuer Beruf füllte ihn mit dem Wachsen der Stadt immer mehr aus, so daß er die Landwirtschaft nach und nach abbauen und die Äcker verpachten mußte. Durch seine Tätigkeit auf der Stadtkasse war er weithin bekannt geworden und wegen seines geraden Charakters und Pflichtbe-wußtseins geschätzt und geachtet. Sein Ruhegahlt konnte er nur noch ein halbes Jahr beziehen, bis er am 12. November 1916 starb. Das Ehepaar Nikolaus und Wilhelmine hatte 4 Söhne und 5 Töchter. Die beiden ersten Kinder:
     Adam, geboren am 19. Februar 1877 und Josefa, geboren am 23. Juni 1878 starben an Diphterie im Jahr 1877 bzw. 1882. Die nun älteste Tochter Magdalene, geb. am 12. Oktober 1879 und der jüngste Sohn Anton, geb. am 7. Februar 1894, blieben ledig und lebten im Haushalt ihrer Mutter. Magdalene starb am 6. August 1947 und Anton am 7. Februar 1964. Ihre Mutter Wilhelmine Calmano, geb. Aumüller starb mit 91 Jahren am 11. Mai 1945. Die zweite Tochter Minna, geboren am 5. Februar 1881, heiratete den Prokuristen Josef Bessinger und wohnte in Frankfurt/Main. Sie hatte 6 Töchter. Die dritte Tochter Margarete, geb. am 12. September 1883 heiratete den Architekten Josef Zweifel in Oberursel und hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Der zweitälteste Sohn Ludwig, geb. am 27. Mai 1888 wurde Reichsbahn-Amtmann und war verheiratet mit Anna, geb. Ried aus Oberursel. Er kaufte das Haus "Im Portugal" 10, wo er am 18. Mai 1966 starb. Er hat eine Tochter Anni und einen Sohn Ludwig. Die vierte Tochter Maria, geb. am 17. Juni 1890, heiratete den Reichsbahn-Amtmann Heinrich Steier aus Schönberg im Taunus und hat sechs Söhne und eine Tochter.
     Der am 26. Mai 1886 geborene älteste Sohn Nikolaus ist der Vorfahre
der 6. Generation. Er erlernte, nachdem er vier Jahre die realschule besucht hatte, das Schlosserhandwerk und kam dann zur Motorenfabrik Oberursel als technischer Zeichner. Nach Abdienen seiner zweijährigen Militärzeit, besuchte er das Poly-technikum in Friedberg in Hessen und legte das Examen als Maschinenbau-Ingenieur ab. Bei seiner alten Firma trat er dann wieder als Ingenieur ein. Bis 1926 war er dort, hauptsächlich in der Versuchsabteilung, in der die ersten Fahrzeug-Dieselmotoren entwickelt wurden, tätig zuletzt als Leiter der Abteilung. Den ertsen Weltkrieg machte er von August bis Dezember 1914 als Musketier mit, erkrankte dann derart schwer an Gelenk-Rheumatismus, daß er über ein Jahr im Lazarett verbringen mußte.
     Nach seiner Genesung wurde er von seiner Firma, die für die Kriegswirtschaft Flugzeug-Motoren baute, bis Kriegsende reklamiert. Als im Jahre 1926 die Motorenfabrik Oberursel mit ihren Patenten für Fahrzeug-Dieselmotoren von Humbold-Deutz aufgekauft wurde, sollte er mit nach Köln ziehen. Da er dies nicht wollte, kündigte er und trat in die von seinem Schwager Karl Weiler gegründetete kleine Bürstenfabrik im Holzweg ein. Die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise brachte auch dieses kleine Unternehmen zu Fall. Daraufhin übernahm er das Lebensmittelgeschäft in seinem Elternhaus Vorstadt 6, welches er im Jahre 1922 seiner verwitweten Schwiegermutter eingerichtet hatte, die am 28. November 1927 verstorben war. Er erweiterte es zum Obst-und Gemüseladen und brachte so seine Familie über die harten Jahre bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939. Für die Kriegswirtschaft wurden dann wieder alle Fachkräfte gesucht und so trat er bei der Firma VDM in Ffm-Heddernheim als Ingenieur ein. In diesem Werk wurden Verstellpropeller für Kriegflugzeuge hergestellt. Nach Kriegsende blieb er dann zu Hause. Im Anwesen Vorstadt 6, welches er nach dem Tod seiner Mutter und seiner Schwester Magdalene geerbt hatte, ließ er die Läden umbauen und vermietete sie. Im Jahre 1951 wurde dann die alte Werkstatt und die Waschküche im Hof ab-gerissen und an dieser Stelle das Hinterhaus, größtenteils in Selbsthilfe, gebaut. In dieses Haus zogen dann seine Tochter Anni un dsein Sohn Ludwig mit ihren Ehe-gatten. Am 10. Mai 1967 starb Nikolaus, 81-jährig.
     Er hatte am 25. September 1912 Margarete Dinges, geboren am 26. Mai 1887 in Oberursel, geheiratet. Sie war die Tochter des Metzgers und Gatswirtes Karl Dinges IV zu Oberursel und dessen Ehefrau Anna, geb. Best aus Bommersheim. Karl Dinges war am 16. März 1859 in Oberursel geboren und seine Frau Anna in Bommersheim am 18. März 1864.
     Karl Dinges war ein weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus bekanntes Original mit dem Beinamen " der Ärwetschaffer". Er hatte Metzger gelernt und als eines Tages die kleine Wirtschaft " Zur Rose" in der Vorstadt Nr.27 zum Verkauf angeoten wurde, lieh ihm ein guter Freund, der mit ihm Metzger gelernt hatte und durch Einheirat in eine Frankfurter Metzgerei den nötigen finanziellen Rückhalt, das benötigte Geld, so daß er das Anwesen kaufen konnte. Er baute einen kleinen Metzgerladen an und die Tüchtigkeit seiner Frau Anna brachte er die Gastwirtschaft und Metzgerei so in Schwung, daß sein Lokal weit über die Grenzen seiner Vater-stadt bekannt und beliebt wurde. Die Oberurseler Bürger, vor allem die sogenann-ten "Frühstücksmeister" trafen sich beim "Ärwetschaffer" und hegten dort manchen mehr oder minder derben Spaß und Streiche aus, über die ein ganzes Anekdoten-buch von einem früheren Oberurseler Zeitungsverlag herausgegeben wurde. Leider strab Karl Dinges schon mit 57 Jahren am 9. Juli 1916.
Das Ehepaar Nikolaus und Margarete hat 5 Söhne und eine Tochter:
1) Anton Karl Nikolaus geb. 11. Januar 1914
2) Karl Josef geb. 1. März 1915
    vermißt in Stalingrad seit Januar 1943
3) Anni Maria geb. 2. Juni 1916
4) Heinrich geb. 31. August 1917
    gefallen bei Stalingrad am 16. September 1942
5) Ludwig Franz Anton geb. 21. September 1919
6) Walter Johannes geb. 16. Juni 1921

Die Tochter Anni heiratete am 26. Dezember 1946 den am 26. Februar 1916 in Köln geborenen Kurt Schling und hat zwei Töchter, Gabi und Rosi. Der Sohn Heinrich heiratete im Herbst 1940 Anni Lange und hat eine Tochter Helga. Der Sohn Ludwig heiratete am 6. April 1953 die in Koblenz -Immendorf am 6. Ok-tober 1919 geborene Katharina Nell und hat keine Kinder. Der jüngste Sohn Walter heiratete am 14. September 1947 die am 13. Februar 1925 in Oberursel geborene Liesel Öffinger. Er hat 7 Kinder:
Wolfgang, Christel, Hildegard, Walter, Rita, Gertrud und Michael.
Am 19. September 1971 starb Margarete ("Ärwetschaffers Greta") mit 84 Jahren.
     Der am 11. Januar 1914 geboren älteste Sohn Anton ist der Vorfahre der siebten Generation. Er besuchte die Oberrealschule bis zur mittleren Reife und machte dann eine zweijährige Lehre als Maurer, die er mit der Gesellenprüfung abschloß. Zwischendurch , in den Wintersemestern, besuchte er die Ingenieurschule in Frankfurt/Main, an der er im März 1936 das Examen als Tiefbau-Ingenieur ablegte. Im selben Monat fing er bei der Reichsautobahnbauabteilung Bad Homburg , durch Vermittlung seines Onkels Ludwig Calmano, damals Inspektor bei der Reichsautobahnverwaltung in Farnkfurt/Main, als Ingenieur im Außendienst an. Am 24. August 1939, er war mittlerweile zur Bauabteilung Limburg/Lahn versetzt worden, wurde er zur Flak, beid er er 1938 acht Wochen gedient hatte, zum Luftabwehrring um Frankfurt/Main eingezogen. Im Juli 1940 wurde seine Einheit nach Frankreich zum Flak-Schutz von Bordeaux verlegt, wo sie bis Herbst über Cazaux und Ossun zum Mittelmeer nach Port Vendre. Nach der Landung der Amerikaner in Toulon, trat seine Abteilung am 15. August 1944 den Rückzug an, die Rhone aufwärts bis Lyon, wo alle am 1. September 1944 in Gefangenschaft kamne. Diese dauerte bis 18. September 1947. Im April 1948 trat er bei der Straßenbaufirma Scheid in Limburg ein, bei er 29 Jahre. bis 31. Januar 1977 arbeitete, zuletzt als Leiter des Straßenbaulabors.
     Am 4. Juni 1942 heiratete er Anna Maria Müller, geb. am 27. November 1919 in Limburg/Lahn, Tochter des Peter Müller und seiner Ehefrau Minna, geb. Matter. Peter Müller war am 20. Mai 1877 und seine Frau Minna am 14. april 1883 in Limburg geboren. Er war in seiner Vaterstadt sehr bekannt und angesehen. Gelernt hatte er Sattler und Dekorateur und arbeitete nach dem ersten Weltkrieg in der Ausbesserungswerkstatt der Reichsbahn in Limburg bis Ende 1929. Bei der sogenannten " Ruhraktion", in welcher die Eisnebahner 1923 passiven Widerstand gegen die Franzosen leisteten, wurde er verhaftet, als er Gled und Propaganda-Material von Frankfurt nach Limburg brachte und unterwegs verteilte. Er wurde mit anderen Verhafteten von einem französischen Militärgericht zu 2 Jahren Haft verurteilt und in Koblenz und später in Bonn ins Gefängnis gebracht. Nach kurzer Zeit gelang ihm mit seinen Mitgefangenen , unter Mithilfe der deutschen Gefängnis-wärter, die Flucht ins unbesetzte Gebiet nach Weilburg, wo er mit seiner Familie bis Herbst 1924 untergebracht wurde, ehe er wieder nach Limburg zurück konnte. Als christlicher Gewerkschaftler war er sehr aktiv, beim Roten Kreuz wurde er Kolonnenführer und bei Versammlungen der Zentrumspartei trat er als Redner auf. Am 1. Januar 1930 fing er hauptberuflich bei der Ortskrankenkasse Limburg als Krankenkontrolleur an. Zuerst mit einem Fahrrad und später mit einem Adler-Auto fuhr er auf die Dörfer des Kreises Limburg zur Kontrolle der Kranken. Im Jahre 1925 wurde er zum Präsidenten des Rauchklubs im katholischen Gesellenverein gewählt, als welcher er die Fastnachtssitzungen bis nach dem zweiten Weltkrieg leitete. In der Festschrift zum 100 jährigen Bestehen des Rauchklubs 1984 wurden seine Aufzeichnungen über die Geschichte des Klubs dankbar verwendet und seine selbstlose Arbeit als Präsident gewürdigt.
     Als 1933 die Nazis die Macht übernahmen, mußte er am 25. Juli 1933 die Krankenkasse verlassen und war arbeitslos. Durch Vermittlung des Stadtpfarrers, Prälat Fendel, der Vorsitzender des Krankenhausvorstandes des Vinzenzhospitals war, konnte er dort, nach Absolvierung eines Krankenplegerkurses, als Pfleger anfangen. Dort arbeitete er, mit besonderem Einsatz während des Krieges bis 1945. Ein Jahr später wurde er von der amerikanischen Militärverwaltung zum Spruchkammer-Vorsitzenden eingesetzt. Durch seine schwere Krankheit, die er sich im Lazarettdienst zugezogen hatte, konnte er den Dienst in der Spruchkammer knapp 3 Jahre versehen.
     Am 10. September 1951 verstarb er und wurde unter großer Anteilnahme der katholischen Vereine und der Presse beigesetzt. Das Ehepaar Peter Müller und Minna, geb. Matter, hatte 8 Kinder:

1) Peter Josef geb. 25. Mai 1911
    gest. 7. Januar 1912
2) Gerhard Maria geb. 10. Dezember 1912,
   

der Jura studierte und später Präsident des Bundesarbeitsgerichtes in Kassel wurde.

3) Anna Maria geb. 26. Juni 1914
    gest. 29. Juli 1914
4) Elisabeth Maria geb. 10. Juli 1915,
   

die kaufmannische Angestellte wurde und zuletzt als Verwaltungsangestellte auf der Ortskrankenkasse Limburg arbeitete.
Sie starb am 16. Februar 1978

5) Peter Josef Maria geb. 9. Februar 1918,
    er studierte Theologie, wurde im 2. Weltkrieg Leutnant und fiel am 30. April 1944 in Rußland
6) Anna Maria geb. 27. November 1919
7) Heinrich Josef Maria geb. 2. März 1923,
    der Gärtner lernte und am 24. Februar 1944 in Rußland fiel.
8) Wilhelm Maria geb. 6. Juli 1924,
    der noch zur Schule ging und am 14. Oktober 1947 an einem Kriegsfolgeleiden starb.
Ihre Mutter Minna war am 23. September 1947 gestorben.

Das Ehepaar Anton und Anna hat 3 Söhne und 5 Töchter:

1) Ursula Elisabeth geb. 4. November 1943
2) Michael Ludwig geb. 23. Juli 1948
3) Gisela Maria geb. 18 November 1949
4) Klaus Gerhard geb. 30. Dezember 1951
5) Angelika Maria Anna geb. 20. Juni 1953
6) Petra Marianne geb. 10. August 1954
7) Barbara Maria geb. 8. Juni 1960
8) Guido geb. 9. November 1962
Sie wohnten von 1942 bis 1959 in Limburg in der Diezerstraße 20. Am 27. November 1959 zogen sie in ihr neu erbautes Haus in der Friedrichstraße 13 in Taunusstein-Bleidenstadt.


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Diese Chronik wurde dort im Winter 1984 von Anton Karl Nikolaus Calmano neu geschrieben; nach Urkunden aus den Kirchenbüchern der Dompfarrei Limburg, Jahrgang 1675-1725 und Jahrgang 1725-1799, sowie den Familienbüchern.
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